Bewegungsfreiheit

Bewegungsfreiheit in der Stadt ist für mich ein ganz wichtiges Konzept. Nachdem ein Großteil der Menschen am liebsten mit dem Auto fährt, sollte man wohl auch den größten Teil der Straßen für Autos optimieren. Die Frage ist allerdings, inwieweit man die Minderheit, die gerne Rad fährt, in der Planung berücksichtigen kann. Es wurde viel gemacht und in vielen Fällen auch Nützliches. Allerdings kenne ich in Wien keine einzige Straße, auf der ich wirklich angenehm Radfahren kann. Im Idealfall hätte so eine Straße alle der folgenden Eigenschaften (für Autos ist sowas ja gang und gäbe):

  • bestehend aus langen durchgehenden geraden Stücken
  • breit genug, um problemlos zu überholen
  • übersichtliche Kreuzungen
  • keine Gefährdung oder Bedrängung durch Autos (eine gemeinsame Verwendung ist allerdings durchaus möglich)
  • Grüne Welle auf Radfahrtempo

Gibt es dafür Bedarf? Ich denke schon. Wenn 5% der Menschen in Wien mit dem Rad fahren, könnte man dann nicht auch ungefähr jede zwanzigste Straße für Räder widmen? Und abgesehen von den 5% aktiven Radfahrern gibt es noch eine riesigie Gruppe von potentiellen Radfahrern, dabei zB Menschen,

  • die es einmal am Rad versucht haben, dann aber wegen unzureichender Radwege unzufrieden waren und aufgehört haben,
  • die regelmäßig Radtouren unternehmen, sich aber in Wien nicht wohl fühlen,
  • die per Auto oder öffentlich ins Fitnesscenter fahren und dort am Zimmerfahrrad trainieren.

Wenn man manche Straßen für Radverkehr optimiert, gibt es dann ein Verkehrschaos, weil die restlichen Straßen überlastet sind? Ich glaube, dass man dem entkommen kann. Erstens kann man das Konzept des induzierten Bedarfs beachten: Je mehr Straßen da sind, umso mehr werden sie auch verwendet. Im Extremfall ist man dann bei der „Tragedy of the Commons“ – also dass einfach immer überall Staus und Parkplatznot sind, weil es keinen Anreiz gibt effizienter mit dem Platz umzugehen. Umgekehrt würden sicher Leute aus den oben erwähnten Gruppen auf das Rad umsteigen, und so den Autoverkehr und Parkplatznot verringern. Zusätzlich sollte man noch beachten, dass so ein „Rad highway“ natürlich deutlich kleiner sein kann, als eine Straße über die eine entsprechende Anzahl von Menschen in PKWs befördert werden.

Zusammengefasst: Dominanz des Autos, ja. Aber nicht uneingeschränkt. Erstens, weil es fair gegenüber dem radfahrenden Teil der Bevölkerung ist. Zweitens, weil sogar der Teil, der beim Auto bleibt profitieren kann: Jedes zusätzliche Rad schafft einen freien Parkplatz und macht den Stau um ein Auto kürzer. Also gemeinsam für eine effiziente Verkehrsplanung sorgen, anstatt Gefechte zwischen den ideologischen Lagern abzuhalten.

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