Wie natürlich ist Wiener Zucker?

Wiener Zucker zeigt gerade auf großen Plakaten, wie künstlich Süßstoffe sind. Was mir daran allerdings fehlt, ist ein wenig Selbstkritik: Wie natürlich ist Zucker? In der Natur kommt Zucker vor allem in Obst vor. Dort gibt es ihn nur gekoppelt mit einem Stoß an Vitaminen und Mineralstoffen, und der Verzehr verlangt ein gewisses Maß an Aufwand. Wem das Kauen zu mühsam ist, der kann einen Schritt weitergehen: Fruchtsaft oder Marmelade. Und wem das zu mühsam ist, der isst raffinierten weißen Kristallzucker – Zucker der von jeglichen natürlich vorkommenden Vitaminen oder Mineralstoffen befreit ist. Wie geht das? Man fängt an mit einer Zuckerrübe, dann wird diese

  •  gereinigt und zerkleinert
  • ausgelaugt
  • verdampft
  • kristallisiert
  • raffiniert

Und es entsteht das Naturprodukt Zucker.

Interessant ist, dass Wiener Zucker auch versucht sich auf diese Art gegen Stevia zu wehren und zwar wegen dessen E-Nummer. Konsequenterweise müsste es dann auch ein Plakat gegen Orangensaft geben:

 Genießen sie Ihren Orangensaft mit Vitamin C (E 300)?

Nicht alles ist so natürlich wie …

Ich bin nicht unbedingt ein Fan von Stevia, aber sie ist wohl natürlicher als die Zuckerrübe. Man nehme eine Stevia Pflanze und Zuckerrübe und züchte diese am Fensterbrett. Aus welcher kann man einfacher Süße gewinnen?

Schon fast lustig, aber eigentlich doch traurig, ist dann die Homepage, auf der Wiener Zucker einem erklärt, wie natürlich er ist:

  • Süßstoff wird erzeugt, indem man Reagenzgläser, die einzelne Elemente enthalten zusammenschüttet (insbesondere schafft es Wiener Zucker  gasförmige Elemente als bunte Flüssigkeiten vorliegen zu haben). Zucker hingegen wird erzeugt, indem man ein paar Rüben in eine handliche Maschine wirft.
  • Zucker konserviert Marmelade, Süßstoff nicht (aber nur deswegen weil die Bakterien Wiener Zucker nicht mögen …)
  • Im Gegensatz zu Süßstoff versorgt Zucker den Körper unmittelbar mit Energie. Das ist vielleicht gut für die gezeigte Person auf dem Laufband – aber den größten Teil der Zeit sind wir eben nicht auf einem Laufband und brauchen keinen unmittelbaren konzentrierten Kalorienstoß.

Nicht alles das (wie Zucker) unnatürlich ist, ist deswegen auch schlecht. Hier muss man aber sagen, dass nach dem Zucker sogar eine eigene Krankheit benannt ist. Und wenn natürlich keine direkte Kausalität zur Diabetes herrscht, sieht man daran doch, wie kritisch Zucker für den Körper ist. Der Blutzuckerspiegel im Körper wird durch die Hormone Glucagon und Insulin geregelt. Minimale Änderungen und diese Hormone spielen verrückt: Sie schicken uns auf den wohlbekannten Yoyo Effekt.

Aber was ist nun natürlich? Natürlich ist, dass einfach nicht alles süß ist. Durch Einschränkung des Konsums von Süßstoff und raffiniertem Zucker kann man die natürlich vorhandene Süße erst richtig schätzen. Und die saftig reife Nektarine, die ich gerade esse, schmeckt zehnmal besser als die Packung Kekse, die ich vielleicht sonst gegeseen hätte.

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2 Responses to Wie natürlich ist Wiener Zucker?

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