Frei Parken

frei Parken

Anscheinend hat frei Parken in unseren Köpfen einen ähnlich hohen Stellenwert wie freie Bildung oder ein freier Zugang zum Gesundheitssystem. Das hat zum Beispiel die politische Diskussion in Österreich gezeigt: In allen drei Fällen hat die Regierung versucht Gebühren einzuheben, um sicher zu gehen, dass die Ressourcen auch effizient genutzt werden. Es ging dabei um überfüllte Hörsäle, um überfüllte Arzt Praxen bzw. um überfüllte Parkplätze. Nachdem wir natürlich nie gerne etwas zahlen, hat sich in allen drei Fällen die Bevölkerung gewehrt. Interessant war, dass die Diskussion um freies Parken dabei wahrscheinlich die emotionalste war. Für mich ist es klar, dass man Bildung und Gesundheit öffentlich subventioniert und fördert. Im ersten Fall ist man der Meinung, dass sich ein höherer Bildungsstand positiv auf die Gesellschaft auswirkt, im zweiten Fall möchte man Personen helfen, die es besonders nötig haben. Warum stellt man dann aber knappen innerstädtischen Grund gratis zum Abstellen von unbenutzten Autos zur Verfügung? Weil man diese ineffiziente und gefährliche Fortbewegungsart explizit fördern möchte? Oder muss man umgekehrt Autolenkern helfen, da sie es besonders nötig haben?

Wie sich dieser bedingslose Drang nach frei Parken auswirkt, erlärt Donald Shoup in seinem Buch „The High Cost of Free Parking„. Zuallererst bedeutet es, dass wir keine Parkplätze finden (Wenn es keine Anreize gibt, sie effizient zu nützen, sind sie auch fast immer belegt). Wenn wir jetzt auf Parkplatzsuche herumfahren, erhöhen wir noch zusätzlich das Verkehrsaufkommen. Und weil alle Parkplätze voll sind, gibt es einen großen Druck, Nutzfläche in Parkplätze zu konvertieren, wodurch sich Gegenden schön langsam in unattraktive Betonwüsten verwandeln. Was ist die Lösung: Der Schritt vom „Parkplatzkommunismus“ in die „Parkplatzmarktwirtschaft“. Wie für jede andere Leistung soll man dann auch für Parken zahlen. Wohin geht das Geld? Idealerweise zurück an die Kommune, die das Geld dann für lokale Projekte verwenden kann. Was ist der faire Preis? Der Preis, bei dem die Parkplätze gut ausgenützt sind, es aber trotzdem immer einfach ist einen Parkplatz zu finden (dieser Preis kann zeitlich und örtlich variabel sein). Gibt es Privilegien für Anrainer? Leider nein: auch ein Anrainer muss für Wohnen und Parken unabhängig bezahlen, je nachdem wieviel er davon jeweils in Anspruch nehmen möchte.

Um den Kreis zum oben gezeigten Bild zu schließen: Frei Parken ist anscheinend ein so wichtiges Konzept, dass es sogar bei Monopoly vorkommt. Dabei gibt es eine besonders passende Zusatzregel (auch wenn sie wohl nicht mit diesem Hintergedanken entstanden ist): Steuern und Abgaben werden nicht tatsächlich eingehoben. Nein, sie werden gesammelt und gehen an die Person, die „frei parkt“.

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