Weidevieh

Was produziert ein Bio-Rind, das mit Bio-Mais gefüttert wird? Bio-E. coli und Bio-ω6-Fette. Erstere haben vor allem unter dem Kürzel EHEC auf sich aufmerksam gemacht, einem E. coli Stamm der im menschlichen Darm Blutungen hervorruft (s. auch Food, Inc.). Zweitere lagern sich in die menschlichen Zellmembranen ein, wo sie eine entzündungsfördernde Wirkung haben (s. auch diesen Post). Ob sie das Kürzel „Bio“ davor haben, ist dabei ziemlich egal.

Was ist das Problem? Rinder sind als Wiederkäuer darauf spezialisiert Gras (oder allgemein Zellulose) verdauen zu können. Im Gegensatz zu uns, die Zellulose unverändert ausscheiden, haben Wiederkäuer ein komplexes System aus vier Mägen, das es ihnen erlaubt Zellulose zu zerlegen. Das schaffen sie nicht allein, sondern benötigen dafür die Hilfe von Mikroorganismen in ihrer Darmflora. Aus der Fernsehwerbung wissen wir ja schon, wie wichtig die Darmflora für uns Menschen ist. Ein Rind ist da natürlich noch viel sensitiver, weil sogar der primäre Verdauungsvorgang nur mit Mikroorganismen möglich ist (s. auch diesen  diesen Wikipdia Artikel über Erkrankungen des Rinder Pansens).

Was passiert nun, wenn wir dem Rind Nahrung verfüttern, an die es von der Evolution nicht angepasst wurde, also stärkereiches „Turbofutter“ oder proteinreiches Tiermehl. Es wird vielleicht schneller wachsen. Es wird aber sicher nicht gesund sein, weil wir die Darmflora in seinen vier Mägen völlig aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Wenn beim Schlachten dann noch der Darminhalt mit dem Fleisch in Berührung kommt, haben wir das Problem: EHEC im Rindfleisch.

Und wenn wir nun verstehen, dass das Rind krank ist, weil es ungesund ernährt wurde, verwundert es auch nicht, wenn dessen Fleisch weniger gesund ist. Eine Sache, die man in dieser Hinsicht chemisch eindeutig nachweisen kann, ist das Verhältnis von ω3- zu ω6-Fettsäuren: Dieses ist beim Weidevieh stark in Richtung der gesundheitsfördernden ω3 verschoben. Das Fett von unnatürlich gefütterten und ungesund aufgezüchteten Rindern ist nun vielleicht wirklich so hoch in ω6-Fetten, dass es gemieden werden sollte. Umgekehrt argumentiert man, dass mögliche negative Effekte von tierischem Fett hauptsächlich auf diese ω6-Fette zurückzuführen ist und dass das Fett von Weiderindern für uns Menschen keine Probleme darstellt.

Zusammengefasst: Fleisch und Milchprodukte von Weidevieh besitzen aus klar verständlichen und chemisch unmittelbar nachweisbaren Gründen vorteilhafte Eigenschaften im Vergleich zu denen von „Turbofutter“ Rindern. In Bezug auf Gentechnik oder Produkte, die mit dem schwammigen Begriff „Bio“ gekennzeichnet sind, gibt es keine so eindeutige Argumentation. Darum bin ich der Meinung, dass man in Bezug auf Weidevieh mindestens so viel Aufwand treiben sollte, wie um letztere beide Themen.

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2 Responses to Weidevieh

  1. Giebelkreuz sagt:

    Interessanter Post, und wie siehts mit Eiern aus bzgl Halten und Fütterung der Hühner? Und bei Schweinen (die ja keine Wiederkäuer sind)?

  2. Das Argument ist, dass es bei Allesfressern nicht so kritisch sein sollte, was sie essen, wie bei reinen Grasfressern. Andererseits hat Hühnerfleisch ja schon sowieso einen höheren omega-6 Anteil…

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