Fasten: Religion, Tradition und moderne Wissenschaft

Fasten ist eine Tradition, die sich quer durch die verschiedenen Religionen und Kulturkreise zieht. Dabei denkt man an die gerade beginnende christliche Fastenzeit, den muslimischen Ramadan, und genauso an östliche Religionen. Dem Fasten wird dabei sowohl eine reinigende als auch eine bewusstseinsöffnende Wirkung zugeschrieben. Was sagt die moderne Wissenschaft dazu?

Gründe für eine reinigende Wirkung werden zum Beispiel im Buch Perfect Health Diet erklärt. Fasten bringt katabole Prozesse in Gang, die als „Autophagie“ bezeichnet werden. Der Gedanke daran, „sich selbst zu essen,“ wirkt auf den ersten Blick eher besorgniserregend. Allerdings bezieht sich die Autophagie hauptsächlich auf schadhafte Proteine, und zusätzlich können sogar diverse Parasiten in dieser Weise angegriffen werden. Allerdings sind je länger man fastet, umso weniger schadhafte Stoffe übrig und umso eher werden auch funktionale Proteine abgebaut. Daher die Idee des „Intermittent Fasting„: Das Auslassen einer Mahlzeit vor oder nach dem Schlafengehen, um eine etwa 16 stündige Phase ohne Kalorienaufnahme zu erreichen. Bei längerem Fasten können Toxine freigesetzt werden, die im Fettgewebe gelagert waren. Prinzipiell ist das auch positiv, kann aber eine Gefahr im Fall von Crash Diäten sein (inbesondere bei schwangeren und stillenden Müttern).

Zur Wirkung auf das Bewusstsein siehe z.B. das Buch Grain Brain. Wenn wir Kohlenhydrate essen, wird das Gehirn mit Glucose versorgt. Sind keine Kohlenhydrate vorhanden, bekommt es sogenannte Ketokörper. Diese kann man als kleine „Fetthäppchen“ sehen, die die Leber für das Gehirn zubereitet, weil die ursprünglichen Fettsäuren nicht durch die Blut-Hirn-Schranke gelangen können. Während Glucose immer in einem delikaten Gleichgewicht gehalten werden muss, stellen diese Ketokörper eine unproblematischere Energiequelle dar. Deswegen berichtet man von einer erhöhten und verlängerten Konzentrationsfähigkeit im ketogenen Zustand. Es ist allerdings zu beachten, dass die ketogenen Stoffwechselwege bei vielen von uns wegen andauernder Kohlenhydratkonsumation degeneriert sind. Also sollte man sich diese langsam antrainieren.

Ist Fasten ein extremer und unnatürlicher Zustand? Ich würde eher das Gegenteil behaupten: Der sichere Zugang zu drei täglichen Mahlzeiten war wohl noch vor hundert Jahren in den meisten Teilen der Welt keine Selbstverständlichkeit und ist es in vielen Teilen nicht einmal heute. Noch viel mehr kann man sich den steinzeitlichen Jäger vorstellen, der tagelang erfolglos unterwegs ist und trotzdem nicht aufgibt. Warum fällt es uns dann so schwer, eine Mahlzeit auch nur etwas nach hinten zu verschieben? Weil wir im Insulin-Zucker-Jojo auf und abgeschaukelt werden. Der Ausweg ist mehr vollwertige Nahrung, mehr Fett und eine Reduktion vor allem der schnell zugänglichen Kohlenhydrate. Und zusätzlich ein wenig Fasten.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gesundheit abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s