Heiraten in Wien – Ein Tutorial

Erst wenn man für eine Sache so richtig arbeiten muss, merkt man wieviel sie einem Wert ist. Das ist wohl das Motto des Standesamtes in Wien. Zugegebenermaßen sind wir nicht der einfachste Fall, weil erstens meine Partnerin keine Österreicherin ist und zweitens wir zur Zeit nicht in Österreich wohnen. Aber, dass es so mühsam würde, hätte ich trotzdem nicht gedacht. Daher ein paar Tipps für Interessierte:

Ohne eine Apostille geht gar nichts. Weil diese auf der Geburtsurkunde gefehlt hat, konnte die Standesbeamtin nicht einmal unsere Daten aufnehmen. Es ging also mit der Eilpost zur britischen Apostillenstelle und dann wieder zurück zum Standesamt. Und eigentlich müssen wir uns sogar glücklich schätzen: Dank der Haager Konvention reicht diese eine Apostille und man braucht nicht noch weitere Überbeglaubigungen. Kostenpunkt: 55 Euro.

Apostille

Man kann natürlich nicht erwarten, dass unsere Standesbeamten in der Lage wären, eine englische Geburtsurkunde zu lesen. Also ging es dann weiter zur beglaubigten Übersetzung. Klickt man hier den ersten Link an, den einem google anbietet, kostet so etwas 180 Euro (für ein paar Zeilen Standardtext). Nach ein bisschen Recherche fanden wir onlinelingua, die es dann für etwa 70 Euro gemacht haben. Dabei wurde sowohl das Dokument als auch die Apostille übersetzt (wobei die Übersetzung der Apostille vielleicht unnötig gewesen ist).

Ganz wichtig ist auch das Ehefähigkeitszeugnis. Damit beweist man, dass man nicht schon in seinem Heimatland verheiratet ist. Zuerst ging es dafür ans britische Konsulat in Düsseldorf. Dort wurde für uns dann für 80 Euro eine „Notice of Marriage“ ausgestellt, die dann drei Wochen in Düsseldorf ausgehängt ist. Weil glücklicherweise in dieser Zeit niemand Einspruch erhoben hat, bekamen wir danach das Ehefähigkeitszeugnis (inklusive einem weiteren ganz tollen Stempel) nach Wien geschickt, wo wir es von der britischen Botschaft für 83 Euro abholen konnten.

Inklusive Fahrtkosten und den normalen Kosten für das Standesamt (ca 150 Euro) sind wir damit also doch deutlich jenseits der 500 Euro Grenze für den rein bürokratischen Teil unserer Hochzeit. Für uns persönlich ist es ok, da wir dank Ehegatten Splitting dafür vom deutschen Steuerzahler mehr als „entschädigt“ werden. Aber an der Tatsache, dass all diese Bürokratie wohl nicht ganz sinnvoll und effizient ist, ändert das natürlich nichts.

Oder ist die eigentliche Rolle dieser Hürden die Möglichkeit für einen Liebesbeweis? In einer Zeit, wo es keine Drachen mehr zu töten gibt und es auch nicht so einfach ist Perlen vom Grund des Meeres heraufzutachen, übernehmen die Ämter dankenswerterweise diese Rolle.

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