Anti-zerbrechlichkeit

Ein Ei ist zerbrechlich – wenn es auf den Boden fällt, ist es kaputt. Ein Apfel ist unzerbrechlich – er bleibt wie er ist, egal was man damit macht. Ein Schnitzel ist „anti-zerbrechlich“ – je mehr man darauf herumklopft, um so besser wird es. Genau um diese dritte Eigenschaft geht es in Nassim N. Talebs aktuellem Buch Antifragile, um Sachen die von Belastung, Unordnung, Ungewissheit etc. profitieren.

Unser Bankensystem war offensichtlich zerbrechlich organisiert – sobald eine Bank eingegangen ist, drohte das ganze System zu kollabieren. Die Gastronomie ist anti-zerbrechlich angelegt – sollte ein Restaurant eingehen, lernen die anderen dazu und insgesamt verbessert sich die Situation.

Unsere Körper sind in vieler Hinsicht anti-zerbrechlich. Belastung (und Sport) macht uns stärker. Unregelmäßigkeit im Essen wirkt sich positiv aus, weil neue Stoffwechselpfade aktiviert werden (z.B. Ketose und Autophagie).

Evolution ist im allgemeinen ein anti-zerbrechlicher Prozess, der durch Änderungen in der Umwelt und Stressfaktoren vorangetrieben wird. Dies basiert allerdings auf der Zerbrechlichkeit der Individuen.

Ein Zehnjahresplan eines zentralen Planungskomitees ist zerbrechlich: Wurde die Zukunft nicht richtig vorhergesagt, wird der Plan scheitern. Lokal und kurzfristig agierende Einheiten können aus ihren eigenen und den Fehlern anderer lernen und sind damit zumindest robust, wenn nicht anti-zerbrechlich.

Atomkraftwerke in Küstennähe sind zerbrechlich. Ein System von diversifizierter Energiegewinnung ist robust oder sogar anti-zerbrechlich.

Ein Politikerjob ist zerbrechlich – eine falsche Aussage oder ein unpopuläre Aktion und alles kann vorbei sein. Ein Künstlerjob ist anti-zerbrechlich – ein paar kleine Skandale erhöhen nur die Bekanntheit.

Ein wichtiges Argument Talebs ist, dass es unmöglich ist, die Zukunft vorherzusagen und damit sehr schwierig ist, Risiken abzuschätzen. Im Gegensatz dazu, kann man Zerbrechlichkeit einfacher feststellen. Wenn wir mit Ungewissheit konfrontiert sind (also fast immer), sollten wir daher (Anti-)zerbrichkeit immer in unseren Entscheidungen miteinbeziehen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Philosophie, Wirtschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

One Response to Anti-zerbrechlichkeit

  1. Pingback: Ernährung – Lektionen aus der Finanzwirtschaft | vienna thoughts

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s