Ernährung – Lektionen aus der Finanzwirtschaft

Was haben Ernährung und Finanzwirtschaft gemeinsam?

  1. Wir müssen Entscheidungen unter Ungewissheit treffen.
  2. Die möglichen Folgen dieser Entscheidungen können sehr asymmetrisch sein.

Die Ungewissheit hat unterschiedliche Ursachen: am Finanzmarkt ist es die prinzipielle Unmöglichkeit, die Zukunft vorherzusagen. Für Ernährungsfragen, gäbe es wohl jeweils eine richtige Antwort, nur dass wir sie mit begrenzten Studien nicht herausfinden können bzw. als Privatpersonen nicht wissen, wem wir vertrauen können.  Das Resultat ist das gleiche: wir müssen Entscheidungen treffen ohne die gesamte relevante Information zu haben.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Asymmetrie der möglichen Ergebnisse. Das, was die Finanzkrise so explosiv gemacht hat, waren asymmetrische Finanzprodukte: mit hoher Wahrscheinlichkeit hat man kleine Gewinne, mit kleiner Wahrscheinlichkeit sehr hohe Verluste (das ist zB der Fall für einen Versicherer, für einen Kreditgeber etc). Die gleiche Asymmetrie haben Lebensmittelzusatzstoffe: mit großer Wahrscheinlichkeit machen sie das Lebensmittel etwas besser (bezüglich Geschmack, Aussehen, Haltbarkeit, …), mit kleiner Wahrscheinlichkeit gibt es unvorhergesene, möglicherweise verheerende, Nebenwirkungen.

Wenn Asymmetrie dominiert, ist unsere Annahme über das Ergebnis nur sekundär. Nehmen wir als Beispiel das heutige Spiel Frankreich gegen Honduras. Auf wen würden wir als Gewinner tippen? Wohl Frankreich. Auf wen würden wir tippen, wenn die Wettquote 1:1000000 gegen Frankreich ist? Dann wohl doch Honduras. Betrachten wir als zweites Beispiel einen beliebigen Lebensmittelzusatzstoff, zB „E202“. Denken wir, dass dieser Stoff schädlich ist? Wahrscheinlich nicht. Die eigentliche Frage, die wir aber stellen müssen ist: Würden wir unsere Gesundheit darauf verwetten, dass dieser Stoff auch bei Langzeitanwendung ungefährlich ist? Und was wir dann im alltäglichen Leben tun, ist dass wir jeden Tag eine Unzahl dieser Wetten eingehen.

Aber gibt es nicht Studien von Experten, die besagen, dass alle diese Stoffe ungefährlich sind? Empfehlen uns nicht Ernährungsberater Diätprodukte zu nehmen, die zwar Unmengen an Zusatzstoffen aber kein böses Fett haben? Leider gab es auch Rating Agency Experten, die Immofinanz, Lehman Brothers, AIG und wie sie alle heißen als unbedenklich eingestuft haben. Und Finanzberater, die diese empfohlen haben. Es ist wohl schwierig jemanden zu finden, dem man in diesen Fragen vollkommen vertrauen kann. Die Alternativstrategie ist es, das Gefährdungspotential (die „exposure“) zu minimieren, s. auch den letzten Post über Talebs Buch Antifragile.

Zusammengefasst: es muss keine Paranoia sein, Lebensmittelzusatzstoffe zu meiden, selbst wenn man mit großer Sicherheit denkt, dass diese jeweils ungefährlich sind. Der Grund ist, dass es nicht a-priori klar ist, ob der kleine bekannte Nutzen einer Substanz nicht durch eine unbekannte Gefährdung mehr als aufgehoben wird. Ähnliches gilt auch für Kosmetikprodukte, Medikamente gegen nicht-lebensbedrohliche Erkrankungen, verschiedene Arten von Strahlung etc.

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