The Righteous Mind

Wir sind zu 90% Schimpanse und zu 10% Biene, wie Jonathan Haidt in seinem Buch „The Righteous Mind“ erklärt. Ähnlich der Biene haben wir Menschen ein großes spieltheoretisches Problem gelöst – wie man in einer großen Gruppe zusammenarbeiten kann, ohne von „Trittbrettfahren“ ausgenützt zu werden.

Bei Bienen ist Kooperation evolutionär möglich, weil alle Bienen im Bienenstock verwandt sind. Menschen nützen eine ganz andere Strategie zur Zusammenarbeit: Intelligenz und Kommunikation. Dabei ist Klatsch und Tratsch („gossip“) ein wichtiges Instrument, um informell Informationen über mögliches asoziales Verhalten auszutauschen. Das erklärt, warum wir so gerne Gerüchte verbreiten und umgekehrt, warum wir uns so viele Gedanken darüber machen, was andere über uns denken.

Das Hauptthema des Buches ist die evolutionäre Entstehung von Moral: Gruppen, die es schaffen, durch Moral ihren Zusammenhalt zu stärken, haben einen selektiven Vorteil gegenüber Gruppen, denen diese Bindung fehlt. Praktisch gesehen bedeutet das, dass wir innerhalb von Gruppen zusammenhalten und einander unterstützen. Aber leider endet der evolutionsbiologische Nutzen von Moral innerhalb der Gruppe. Das erklärt dann wohl auch, warum Menschen manchmal grauenhaft gegenüber Personen außerhalb der Gruppe agieren.

Weiter erzählt Haidt über die Bedeutung von Zeremonien und Tänzen, die den Zusammenhalt von Gruppen fördern können und den Bezug davon zu Religion beziehungsweise zu quasi-religiösen Praktiken (wie z.B. dem Anfeuern von Sport Teams). Auf der einen Seite hat man vielleicht Angst vor solchen Praktiken, weil sie zu Massenhysterien und unverständlichem Verhalten führen können. Auf der anderen Seite sind sie ein ganz besonderer Teil unserer Existenz.

Zusammengefasst, ein sehr gutes Buch (besser als dieser Blogpost, der irgendwie nicht so kohärent ist, wie ich das gerne gehabt hätte …) Beeindruckend finde ich die Aufgeschlossenheit des Autors bezüglich der eigenen Subjektivität. Und noch viel mehr seine politische Entwicklung von einem radikalen Anhänger der Democrats in den USA zu einer politisch aktiven Person, die bereit ist nützliche Ideen von allen Seiten des politischen Spektrums anzunehmen.

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